Ein Blick in die automobile Zukunft

Die Digitalisierung und immer weitere Assistenten prägen die nahe Zukunft des Autos

Wie sieht die Zukunft des Autofahrens aus? Fahren wir noch oder lassen wir uns vielmehr fahren? Immer bessere Assistenzsysteme erhöhen schon heute die Sicherheit, garantieren aber auch mehr Effizienz. Diese neuen Technologien bergen jedoch auch neue Gefahren.

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Während des Autofahrens E-Mails schreiben oder Zeitung lesen, vor wenigen Jahren noch undenkbar, heute technisch schon möglich, aber durch die Gesetzgebung noch nicht erlaubt. Grosse Projektionen in der Windschutzscheibe und berührungsempfindliche Flächen zur Steuerung des Infotainments oder noch besser intelligente Sprachsteuerung im Auto gewinnen weiter an Bedeutung.. Hersteller und Zulieferer arbeiten mit Vollgas an der Entwicklung intelligenter Fahrzeuge, in denen Autopiloten den Menschen hinter dem Steuer ersetzen. So zeigte Bosch an der Consumer Electronics Show (CES) 2019 eine Shuttle-Studie mit Sensoren und weiteren elektronischen Komponenten, die eine mobile Buchung eines Shuttles genauso ermöglichen wie die selbstständige Suche des Fahrzeuges nach einem Parkplatz. Mit ZF zeigte ein weiterer grosser Zulieferer ein autonomes Robotaxi für bis zu 15 Personen, das ohne Lenkrad sowie Pedale – und selbstverständlich ohne Fahrerin oder Fahrer – auskommt.

Automobilexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt: «Für vollautomatische Autos, die alles machen können – also auch in der Stadt und auf Landstrassen unterwegs sind – brauchen wir noch gut 10 Jahre. Dabei wird die Entwicklung in Schritten ablaufen.» Schon heute ist teilautomatisiert Fahren auf Autobahnen möglich und dies bis 120 km/h und mehr. Klar komplexer und daher noch mehr Zeit in Anspruch nehmen wird jedoch der autonome Landstrassen- und Stadtverkehr, nur schon wegen weiterer Verkehrsteilnehmer wie Fussgänger oder Radfahrer, die korrekt erkannt und erfasst werden müssen.

Der Professor der Universität Duisburg-Essen prophezeit: «Wenn wir uns das langfristig anschauen, dann werden wir ein völlig neues Automobil erleben. Das, was wir früher hatten, wird es nicht mehr geben. Das neue Auto wird vollkommen emissionslos sein und Unfälle gehören dann der Vergangenheit an. In 20 bis 30 Jahren kann das Auto alles ausser fliegen. Dann werden wir das Auto auch in unsere andere Mobilitätswelt integriert haben.»


Mehr Zeit für sich - selbst im Stau

Autonom fahrende Autos sollen in den kommenden Jahrzehnten gemäss dem Bericht der internationalen Ideenfabrik «Policy Network» rund 0,15 Prozent zu Europas jährlicher Wachstumsrate beitragen. Paul Willcox, Chef von Nissan Europe, erklärt dazu: «Der Bericht zeigt, dass autonomes Fahren nicht nur auf die Automobilindustrie einen wesentlichen Einfluss hat, sondern auf die gesamten europäischen Wirtschafts- und Sozialsysteme. Und die Ergebnisse zeigen, dass dieses Thema auf allen Regierungsebenen zur Chefsache werden muss – Hand in Hand mit der Automobilindustrie, um gemeinsam eine neue Technologie-Ära zu beschreiten.».

Und entgegen bisherigen Annahmen könnte sich durch autonome Fahrzeuge und selbstfahrende Taxiflotten auch der Fahrzeugbestand in Städten nicht massgeblich verringern. Eine Studie des ETH-Institutes für Verkehrsplanung und Transportsysteme von 2019 simulierte, wie sich das Verkehrsaufkommen in Zürich innerhalb von 20 Jahren durch Robotaxis und autonome PWs verändert. ETH-Professor Kay Axhausen kommt dabei zum Schluss: «Der Besitz von Privatfahrzeugen wird sich nur dann reduzieren, wenn selbstfahrende Fahrzeuge privat nicht erworben werden können.»


Potenzielle Gefahr durch Hacker-Angriffe

Mit dem verstärkten Einsatz von elektronischen Fahrhilfen vergrössert sich natürlich auch das Risiko von Pannen. Störungen an Batterie und Sensoren sowie Software-Fehler sind die häufigsten Ursachen. Wichtig ist, dass der Lenker auf den ersten Blick erkennt, ob die Systeme noch funktionieren oder ob er selbst eingreifen muss.

Immer wichtiger wird zudem der Schutz vor Hacker-Angriffen. Forscher der Universität von Kalifornien und der Universität Washington haben aufgezeigt, dass sich mit den nötigen Fachkenntnissen locker nahezu alle Funktionen eines modernen Autos manipulieren lassen – sogar das Gaspedal und die Bremse. Die Entwickler müssen also noch einige Hürden mehr schaffen, um die grösstmögliche Sicherheit bei autonomen Fahrzeugen zu garantieren.


Autonome Fahrzeuge bieten diverse Vorteile

Selbst wenn man das erhöhte Risiko von technischen Mängeln mit einberechnet, ist die Fehlerquote von Maschinen bedeutend geringer als jene des Menschen. Somit sind autonome Fahrzeuge sicherer unterwegs als von Menschen pilotierte.

Im Stau sparen autonome Autos laut Sándor Fekete von der TU Braunschweig ausserdem bis zu 40 Prozent Sprit. Und auch im normalen Fahrbetrieb sind sie durch optimales Schalten, Bremsen und Beschleunigen effizienter als jeder noch so geübte Fahrer. Somit ist das Spritspar-Potenzial - bei der aktuellen Klimadebatte extrem wichtig - sehr hoch.

Wenn nur zehn Prozent aller Fahrzeuge regelmässig Position und Tempo in Echtzeitdaten weitergeben und sich die anderen autonomen Fahrzeuge daran orientieren, kann die Kapazität der jeweiligen Fahrbahn fast um den Faktor 4 gesteigert werden. Resultat: Weniger Staus.


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