Das Automobil ist eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte

Es veränderte die Welt, etablierte die individuelle Mobilität für jedermann und -frau und legte den Grundstein für eine wirtschaftlich bedeutende Branche: Die Geschichte des Automobils ist nicht nur, wer wann das Auto erfunden hat – sondern auch die Geschichte, wie das Autogewerbe und die Garagisten ihren Weg begannen.

So können sich gekrönte Häupter täuschen. «Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung», soll der deutsche Kaiser Wilhelm II. wenige Jahre nach dessen Erfindung die Zukunft des Autos beurteilt haben. Was folgte, war eine Erfolgsgeschichte der Extraklasse: Heute fahren auf diesem Planeten 1,5 Milliarden Autos. Nur zum Vergleich: Es gibt global 2,3 Milliarden Häuser – und acht Milliarden Menschen. Und die Autowelt ist wirtschaftlich gar nicht mehr wegzudenken – siehe dazu den Kasten über Garagisten unten.

Anno 1886 entwickelten die späteren Partner Carl Benz und Gottlieb Daimler in Deutschland parallel und unabhängig voneinander ihre Fahrzeuge. Am Ende machte Benz knapp das Rennen. Sein Benz Patent-Motorwagen gilt heute als das erste «modernes» Auto, weil es bereits alle wesentlichen Technikzutaten trug und vor allem das erste motorgetriebene Fahrzeug war, das in (wenngleich kleiner) Serie hergestellt wurde. Um 1900 wurden auf der ganzen Welt etwa 60'000 Automobile im Jahr verkauft. Heute werden alleine in China, vor den USA und Europa grösster Markt, über 70'000 Autos verkauft – nicht pro Jahr, sondern pro Tag!

Zuerst wollte das Auto niemand haben

Dabei war der Start des Autos zäh, nicht nur bei Kaisern stiess es auf Skepsis: Anfangs verkaufte sich der Patent-Motorwagen von Benz kaum. So erfand seine Gattin, was man heute Marketing nennt: Als Werbekampagne unternahm Bertha Benz mit ihren beiden Söhnen und ohne Wissen ihres Gatten eine zweitägige «Fernfahrt» über damals unfassbar weite 194 Kilometer, um zu beweisen, dass das Auto zuverlässig ist. Das wirkte: Bis ins Jahr 1900 setzten sich Benz, Daimler und all den anderen Pioniere mit ihren Vehikeln nach und nach durch.

Zunächst eher Kutsche mit Pferdestärken statt Pferden, musste das Auto wie alle technischen Entwicklungen freilich erst zu jenem nachhaltigen, zuverlässigen und sicheren Verkehrsmittel reifen, als das wir es kennen. Zu den wichtigsten Meilensteinen zählte die Fliessbandfertigung, die Ford 1914 für das 1908 vorgestellte Model T einführte: Der Preis sank um mehr als die Hälfte, der Luxus- wurde zum Alltagsgegenstand. Es folgten selbsttragende Karosserie (1922, Lancia), Diesel-Personenwagen (1936, Mercedes), Sicherheitskarosserie mit Knautschzonen (1958, Mercedes), Serien-Dreipunktgurt (1959, Volvo), Turbolader-Personenwagen (1961, Oldsmobile), das elektronische Antiblockier-Bremssystem (1978, Bosch/Mercedes) oder der Airbag (1974 erfolglos bei General Motors, 1981 erfolgreich bei Mercedes). Ab 1975 machte der Katalysator Abgasen den Garaus und die ersten Vorläufer der Navigationssysteme (z.B. 1981 Alpine/Honda) dem Wälzen von Karten.

Carl Benz am Steuer der 1888er-Version des zwei Jahre zuvor erfunden ersten Autos. Foto: Mercedes-Benz
Wegbereiter: Im siebten Jahr wurde das Ford Model T ab 1915 zum ersten Fliessbandauto. Foto: Ford
Volkswagen: Der VW Käfer sorgte im deutschsprachigen Raum für die Massenmotorisierung. Foto: VW

Erst war offen, ob Dampf, Sprit oder Strom

Sogar heutige Selbstverständlichkeiten wie der Scheibenwischer wollten erst ersonnen sein. Die Amerikanerin Mary Anderson hatte 1903 die Idee. Und ihr Landsmann Elon Musk hat das Elektroauto erfunden? Keineswegs: Schon vor der Geburt des «modernen» Automobils 1886 fuhren Fahrzeuge ab 1769 mit Dampf und ab 1881 elektrisch. Der Konkurrenzkampf blieb lange offen: Um 1900 – jenem Jahr, in dem Ferdinand Porsche seinen allradgetriebenen elektrischen Lohner-Porsche vorstellte – waren in den USA 40 Prozent der Autos mit Dampf unterwegs, 38 Prozent mit Strom und nur 22 Prozent mit Sprit, erst in den 1910er-Jahren setzte sich der Verbrennungsmotor durch. An eine Renaissance glaubten wenige, doch dann, ab Anfang der 2010er-Jahre, begannen sich Elektroautos dank neuer Technologie zu etablieren. Elektroantrieb war nun nicht mehr nur eine Vernunftlösung für ganz wenige Einsatzzwecke, sondern wurde cool und sexy. Heute ist die einstige Nische der grosse Zukunftstrend. Heute sieht sich das Automobil nicht nur deshalb dem grössten Wandel seiner Geschichte gegenüber. Neben der Elektrifizierung sind es Digitalisierung und autonomes Fahren, aber auch Carsharing und anderes, die für unseren vierrädrigen Liebling vieles verändern. Vieles, nicht alles: Gerade, weil das Auto der Zukunft abgasfrei und sicher ist, hat es Zukunft, bleibt ein Teil unseres Lebens – und Faszination pur. Die Geschichte geht weiter.

Wie das Garagistengewerbe entstand

In den frühen Jahren des Automobils waren Kauf, Service und Reparatur Sache der Autofahrenden: Man erwarb das Auto direkt beim Hersteller, schmierte unterwegs mechanische Teile ab und suchte sich bei Bedarf Spengler, Sattler, Kutschenbauer und Velogeschäfte (und für den Sprit Apotheken). Zu tun gab es genug: Autopionier August Horch rechnete für seine Luxusautos mit einer Pneupanne alle zehn Kilometer, und jedes Ersatzteil war ein handgefertigtes Einzelstück. Wer sich ein Auto leisten konnte, leistete sich oft auch einen Chauffeur als «Automech». Erst als das Auto sich in den 1910er-Jahren stärker verbreitete, ging plötzlich alles ganz schnell: Das fliessbandproduzierte Massenmobil kam, mit ihm in Serie produzierte Ersatzteile – der Aftermarket war geboren und rein auf Autos fokussierte Werkstätten – die Garagen. Auch Autolackierereien kamen auf – dank der Erfindung der Spritzpistole und schneller trocknender Nitrolacke (zuvor dauerte eine Lackierung sechs bis acht Tage). Der Rest ist Geschichte und das Garagengewerbe eine Säule der Wirtschaft: Jeder achte Arbeitsplatz hängt in der Schweiz direkt oder indirekt am Auto. Alleine in den 4000 von 5200 Garagen, die dem AGVS angehören, arbeiten 39'000 Mitarbeitende.

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