Damit die Selektion zum Gewinn wird

6. Dezember 2018 autoberufe.ch – Ausbilden bedeutet nicht nur in fachlicher Hinsicht, ein Handwerk lehren zu können, sondern auch in sozialer Hinsicht, die Rolle einer Lehrperson einzunehmen. Die Anfang 2018 in Kraft getretene Bildungsverordnung nimmt deshalb alle Berufsbildner der technischen Grundbildungen in den Betrieben, die über keinen tertiären Abschluss verfügen, bis Ende 2020 in die Pflicht. Sie müssen das achtstündige Didaktikmodul des AGVS besuchen. Dass dieser Tag nicht nur Pflicht ist, zeigt ein Schulbesuch an der STFW.


Rolf Gysin, Serviceleiter bei der Basler Grossgarage Grosspeter AG (links), und Marco Leu, Automechaniker und Kundendienstberater bei der Garage Tanner AG in Merishausen erarbeiten einen praktischen Schnupperauftrag.

tki. Drei Tische, neun gestandene Garagenfachkräfte, ein Problem: Geeigneter Branchennachwuchs ist Mangelware. «Ist sie das wirklich?», wirft Roland Peter in die Runde. Der Geschäftsführer von B-Werk, einem Berner Bildungsinstitut, will das Problem der Rekrutierung von Lernenden an der Wurzel packen: «Bei der Selektion.» Wir befinden uns an der Schweizerisch Technischen Hochschule in Winterthur (STFW), wo Peter die AGVS-Berufsbildner durch das entsprechend betitelte eintägige Didaktikmodul leitet. «Denn die Selektion ist die Phase, in der Sie die meisten guten Leute verlieren», betont Peter. Ob Kleinstgarage oder Grossbetrieb mit mehreren Standorten: Mit der Bewerbungswelle – ob nun für Schnupper- oder Lehrstellen – erreicht die Berufsbildner eine Flut von Dossiers. «Alle sind standardisiert, kommen sauber daher, sind in einer gepflegten Sprache verfasst: Doch wer steckt dahinter?», fragt der versierte Berater in die Runde. Will heissen: Die Lehrpersonen machen ihren Job gut – «und Sie, als Berufsbildner, müssen ihn, ob Sie nun genügend Zeit haben oder nicht, auch gut machen», ergänzt Roland Peter und gibt den Didaktikmodulbesuchern Folgendes mit auf den Weg:
  • Nicht die besten Schüler sind unbedingt die geeignetsten Kandidaten.
  • Bei einer vorschnellen Selektion nach Geschlecht, Nachname und Zeugnis scheiden oft die handwerklichen Talente aus.
  • Zeigt der Kandidat im Bewerbungsschreiben Interesse für den Beruf und die Garage, lohnt sich ein persönliches Gespräch.
  • Eine Zusatzaufgabe (ob ein Foto mit dem Lieblingsauto oder ein kurzer Text, weshalb er sich hier bewirbt) macht deutlich, ob die Motivation und der Wille zur Leistung stimmen. Aber in dieser Phase gilt es nicht nur, die Qualität der Zusatzaufgabe zu bewerten, sondern hauptsächlich, ob sie erledigt wurde.

Das Rüstzeug für den Einbezug von Schnupperlernenden

Die Garagisten machen deutlich: «Das braucht Zeit.» Dass es sich lohnt, sich diese zu nehmen, ist im Kreis der Teilnehmer genauso unbestritten wie das Anbieten von Schnupperlehren. «Doch», so meldet ein Mitarbeiter einer Nutzfahrzeuggarage zurück, «die Beschäftigungen während dieser wenigen Tage müssen sinnvoll sein und dürfen die Mechaniker nicht den ganzen Tag absorbieren.» Roland Peter klinkt sich ein und betont: «Ihr müsst nicht den ganzen Tag neben dem Jugendlichen stehen. Sie wollen die Technik und Faszination am Auto erleben und spüren.»

Ob dies nun angeleitet beim Bremsenservice, beim Kontrollieren und Auffüllen der Fahrzeugflüssigkeiten oder beim Luftdruckmessen ist: «Für euch sind gerade letztere Tätigkeiten reine, nicht erwähnenswerte Routine, bei den Oberstufenschülern lösen sie noch ein Leuchten in den Augen aus.» Vom AGVS-Schnupperleitfaden inspiriert, erarbeiten die Garagisten nun Schnupperlehraufgaben mit Praxisbezug, die sowohl die Gebote der Arbeitssicherheit berücksichtigen als auch drei bei Swiss Olympics erprobten didaktischen Schritten Rechnung tragen:
  1. Den Jugendlichen ausprobieren und überlegen lassen.
  2. Das Vorwissen abholen und die Übung mit ihm gemeinsam korrekt ausführen.
  3. Ihn die Verrichtung im Laufe der Schnupperlehre unter Beobachtung wiederholen lassen und so den Lernfortschritt kontrollieren.
Fakt ist: «‹Fägt› die Arbeit während der Schnupperlehre, berichten die Jugendlichen in der Schule davon – das ist Gratiswerbung», gibt Roland Peter den AGVS-Garagisten mit auf den Weg. Weitere Tipps, um die richtigen Lernenden zu finden, gibt es im Januar wieder.

 
Vor der Selektion: Der AGVS-Eignungstest
Der AGVS bietet einen gesamtschweizerischen Eignungstest an. Vor dem Antritt der Lehrstelle können der Lehrstellenanwärter und der potenzielle Lehrbetrieb feststellen, für welche technische Grundbildung sich der Jugendliche eignet und ob er den Anforderungen der Ausbildung im Autogewerbe gewachsen ist. Damit können Lehrabbrüche auf ein Minimum reduziert werden. Der Eignungstest (technische Berufe) wird von den AGVS-Sektionen angeboten und durchgeführt.
Weitere Infos unter: autoberufe.ch

Für die Selektion: Das AGVS-Schnuppertagebuch
Der AGVS hat kostenlos downloadbare Hilfsmittel zur Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Schnupperlehren kreiert. Der «Leitfaden Schnupperpraktikum» liefert diverse Inputs – angefangen beim Marketing, um potenzielle Lernende anzusprechen, bis zu Ideen zur Gestaltung von Schnuppertagen. Dieser enthält auch praktische Probeaufgaben. Des Weiteren findet sich ein Muster-Schnuppertagebuch, das sowohl dem Jugendlichen als auch den Garagen hilft, eine Bilanz der ersten beruflichen Gehversuche zu ziehen.
Weitere Infos unter: autoberufe.ch

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AGVS-Didaktikmodul für Berufsbildner der technischen Grundbildungen
Zum Ausbilden von Nachwuchskräften gehört nicht nur technisches Know-how. Machen Sie sich fit für Ihre neuen Lernenden, damit Sie gemeinsam Vollgas geben können.

Didaktikmodul "Lernende selektieren"
Donnerstag, 10. Januar 2019, 08.30 - 17.30 Uhr im BBZ Goldau
Dienstag, 14. Mai 2019, 08.30 - 17.30 Uhr im Ausbildungszentrum Berner Oberland, Mülenen
Dienstag, 10. September 2019, 08.30 - 17.30 Uhr im AGVS Bildungszentrum beider Basel, Sissach

Didaktikmodul „Die Instrumente der neuen Bivo kompetent einsetzen“
Dienstag, 8. Januar 2019, 08.30 - 17.00 Uhr im BBZ Goldau
Donnerstag, 9. Mai 2019, 08.30 - 17.00 Uhr im AGVS Ausbildungszentrum in St. Gallen
Donnerstag, 23. Mai 2019, 08.30 - 17.00 Uhr in der IBW in Chur


Weitere Daten und Orte in der AGVS Business Academy: agvs-didaktikmodule
 

 
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